Kiefergelenkerkrankungen

Kiefergelenkerkrankungen

Was sind Kiefergelenkschmerzen (TMG)? Wodurch entstehen sie, und wie vergehen sie?

Heute klagen viele Menschen über Schmerzen im Kieferbereich, über müdes Aufwachen am Morgen oder über eine eingeschränkte Mundöffnung. Die Ursache ist oft ein unbemerktes Problem: Erkrankungen des Kiefergelenks (Temporomandibulargelenk, TMG).
Dieses verbreitete, aber häufig vernachlässigte Problem haben wir Dr. Serap Özdamar, Fachzahnärztin für Oral- und Kieferchirurgie, vorgelegt. Die Spezialistin hat geantwortet und wichtige Hinweise gegeben.

Was ist das Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk, TMG)?

Das Kiefergelenk ist ein kleines, aber lebenswichtiges Gelenk unmittelbar vor dem Ohr, das den Unterkiefer mit dem Schädel verbindet. Es ist an fast allen alltäglichen Tätigkeiten wie Kauen, Sprechen und Gähnen beteiligt. Dank dieses Gelenks können wir den Kiefer nach oben, unten und zur Seite bewegen.

Was sind die Symptome von Kiefergelenkerkrankungen?

Einer der wichtigsten Punkte, auf die Dr. Serap Özdamar hinweist, ist, dass sich diese Erkrankung mit sehr unterschiedlichen und mitunter irreführenden Symptomen zeigen kann:

  • Schmerzen beim Öffnen oder Schließen des Kiefers
  • Knack-, Knirsch- oder Reibegeräusche
  • Ohren- und Kopfschmerzen
  • Eingeschränkte Mundöffnung
  • Das Gefühl, dass der Kiefer blockiert

Während diese Beschwerden zeitweise kommen und gehen können, können sie sich bei manchen Menschen zu einem chronischen Zustand entwickeln, der die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.

Wie entstehen Kiefergelenkprobleme?

Kiefergelenkerkrankungen können viele verschiedene Ursachen haben:

  • Zähnepressen oder Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Stressbedingte Muskelverspannungen
  • Traumata (Schläge gegen den Kiefer)
  • Verlagerung oder Perforation der Gelenkscheibe (Diskus)
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen wie Arthritis

Dr. Özdamar weist darauf hin, dass diese Erkrankungen eine umfassende Beurteilung erfordern: „Muskel- und Gelenkprobleme treten häufig gemeinsam auf. Das kann die Diagnose erschweren.“

Welche Rolle spielt Stress?

Stress spielt bei Kiefergelenkschmerzen eine weitaus größere Rolle als angenommen. Nächtliches Zähnepressen oder Zähneknirschen kann schmerzhafte Verspannungen der Kiefermuskulatur verursachen. Dies täuscht Kiefergelenkerkrankungen vor und beeinflusst den Behandlungsplan.

Wie werden Kiefergelenkprobleme behandelt?

Die Behandlung von Kiefergelenkerkrankungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Dr. Serap Özdamar erklärt, dass die Behandlung nach der richtigen Diagnose meist erfolgreich ohne Operation durchgeführt werden kann. Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind:

🦷 1. Schienentherapie (Nachtschiene / Okklusionsschiene)

Mit einem speziellen Apparat, der zwischen die Zähne gesetzt wird, kann sich die Kiefermuskulatur entspannen. Dr. Serap Özdamar weist darauf hin, dass eine Okklusionsschiene und eine Nachtschiene unterschiedliche Dinge sind, und betont, dass bei der Gelenkbehandlung eine Okklusionsschienentherapie erforderlich ist.

💉 2. Arthrozentese (Gelenkspülung)

Durch das Einbringen von Flüssigkeit in das Gelenk werden Probleme wie Entzündungen und Einklemmungen der Gelenkscheibe verringert.

🛠️ 3. Chirurgische Eingriffe

In fortgeschrittenen Fällen können geschädigte Gewebe durch arthroskopische oder offene Chirurgie repariert werden.

Gelegentlich können bei der Behandlung auch Stressmanagement, Physiotherapie und medikamentöse Unterstützung erforderlich sein. Eine Operation sollte in der Regel als letzter Ausweg betrachtet werden.

!!Botox-Injektionen sind bei Kiefergelenkerkrankungen kein geeigneter Behandlungsansatz. Botox verschiebt das Problem nur!!

Was sollten Sie beachten?

Dr. Özdamar betont, dass Personen, bei denen eine Kiefergelenkerkrankung diagnostiziert wurde, in ihrem Lebensstil auf einige Punkte achten sollten:

  • Liegt eine Bissstörung der Zähne vor, muss sie unbedingt behandelt werden.
  • Gewohnheiten wie Kaugummikauen, Nägelkauen und Beißen auf Stifte sollten aufgegeben werden.
  • Der Mund sollte nicht plötzlich und unkontrolliert geöffnet werden (zum Beispiel beim Gähnen).
  • Diese Erkrankung neigt dazu, zeitweise wieder aufzuflammen; daher sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

Fazit: Frühes Eingreifen verbessert Ihre Lebensqualität

Kiefergelenkerkrankungen lassen sich mit der richtigen Diagnose und einem geeigneten Vorgehen unter Kontrolle bringen. Wenn auch Sie morgens mit Kieferschmerzen aufwachen, Ihren Mund nur eingeschränkt öffnen können oder Geräusche aus Ihrem Kiefer bemerken, lohnt sich der Rat einer Spezialistin bzw. eines Spezialisten.
Dr. Serap Özdamar, Fachzahnärztin für Oral- und Kieferchirurgie, betont – gestützt auf ihre auf diesem Gebiet verfasste Doktorarbeit sowie auf ihr Wissen und ihre Erfahrung –, wie wichtig es ist, bei Diagnose und Behandlung von Kiefergelenkerkrankungen keine Zeit zu verlieren.

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